Othirâ's Welt zwischen Traum und Realität

Ein Maulwurfsleben


Philosophie und Ich

Kurze Texte, die Ich von meinen Gedichten abgetrennt aufführe, da sie doch ein kleinwenig anders geschrieben sind und weniger Gefühle transportieren, als eher Gedanken aussprechen und diese teilweise auch ein Stück weit objektiver behandeln.

 

 


Worte  -  2.3.2016

 

Worte bauen Brücken. Nehmen Distanz.

Mit ihrer Hilfe lässt sich Kontakt aufbauen.

Menschen kennenlernen.

Sie bringen zum Lachen, Freuen, Träumen,

aber auch zum Weinen oder Hassen.

Manchmal braucht es nur ein Wort,

um eine Mauer ein-, oder eine Kluft aufzureißen.

Gesprochen dringen sie zu unseren Ohren,

berühren Seele, Geist und Herz.

Geschrieben beanspruchen sie mehr Zeit,

sind dafür zeitlos. Sie überdauern Generationen.

Entfernungen gibt es für Worte nicht.

Sie zu überbringen gibt es immer einen Weg,

der Zivilisation zum Dank,

ganz gleich von wo man wen erreichen möchte.

Will Ich einem Menschen sagen, wie sehr Ich ihn liebe,

so schreibe Ich, oder rufe an.

Was, das tu Ich nicht?

Worte sind so mächtig, von so großer Bedeutung,

dass Ich manchmal nicht weiß wie.

Sie bleiben im Halse stecken, oder landen zerknüllt im Papierkorb.

Ich schreibe viele Texte mit vielen Worten,

baue meine Brücken.

Eines Tages habe Ich den Mut sie zu überschreiten.

Andernfalls, so die Zeit es will, reiße Ich sie alle ein.

Jedoch die Zeit ist wieder ein anderes Thema.

 


Zwei Welten  -  3.4.2015

 

Ich bin unterwegs, mit Freunden.

Tanzen, reden, trinken, lachen, einfach Spaß haben.

Oder Stress erleben.

Die volle Dröhnung Leben eben.

 

Ich stehe mittendrin, blühe auf,

selbstbewusst und voller Rat und Tat,

stundenlang, den ganzen Tag.

Fahre Ich alleine heim,

wird es schlagartig ruhiger,

von der letzten Verabschiedung an.

 

Das Lachen und Reden versiegt,

Musik nimmt diesen Platz ein.

Ich steige aus, laufe heim.

Stille, Dunkelheit, Kopf voller Gedanken.

 

In meinen vier Wänden sitze Ich,

erinnere mich an den Tag, den Abend.

Es erscheint wie ein Traum,

unwirklich, surreal.

Einsam und allein, das ist die Realität.

In dieser Welt, hier zu Hause, bin Ich, wer Ich bin.

 

Ich lebe in zwei Welten,

der Zug ist das magische Tor.

Nur da draußen bin Ich, wer Ich sein will,

oder gebe mir größte Mühe dazu.

 

Hier bin Ich nur ein Kartenhaus,

ein Stein im Glashaus.

Egal wie lange Ich in meinen Traum abtauche,

einen Abend,

einen Tag,

eine Woche…

 

Am Ende bringt mich das magische Tor zurück,

zurück in die Wirklichkeit.

In die dunkle Stille der Einsamkeit.

 

Ich will hier raus,

ein Leben lang träumen,

meinen Traum leben.

 


Spiegelbild  -  13.2.2015

 

Ich konnte mich nie im Spiegel ansehen…

Minderwertigkeitskomplexe.

Einsam, kaum Selbstbewusstsein.

Dann die richtigen Menschen kennengelernt,

mein Charakter wuchs,

Ich fasste Selbstvertrauen

Und betrachtete den Kerl im Spiegel.

Den kenne Ich, den mag Ich!

Das Leben zeichnet,

man erleidet Narben,

Ich habe viele Narben…

Selbstvertrauen ist eine Sache.

Das hab Ich.

Aber Erfahrungen stellen alles in Frage.

Das Interesse an mir,

oder an Dingen mit mir,

scheint gering.

Freundschaft: Immer!

Aber immer nur das, nie mehr.

Ich bin, wie Ich bin, so mag Ich mich,

so wollte Ich immer bleiben.

Aber Komplexe wird man nicht los.

Bedürfnisse und Wünsche auch nicht.

Stetige Zurückweisung regt auf.

Es macht wütend,

wenn Bedürfnisse nicht gestillt werden.

Ich habe einen tollen Charakter,

aber er steht mir im Weg.

Ich wollte immer so bleiben,

aber jetzt nicht mehr.

Ein Zwiespalt.

 

„Kennst du das Gefühl, wenn du nicht mehr sein willst, wer du bist? Wenn du dich im eigenen Körper und Geist nicht mehr wohlfühlst? Du dir am liebsten die Haut herunterziehen würdest, nur um anders auszusehen?“

 

Was heißt anders aussehen…

Im übertragenen Sinne,

ein anderer sein…

anders sein, einfach weniger Ich,

aber mehr von mir,

mehr für mich bekommen.

Ich fühle mich nicht mehr wohl,

bin verbittert.

Mein Charakter wird sich verändern,

weil Ich so nicht mehr will.

Nicht länger kann.

Es wäre besser Ich zu bleiben,

aber mein Ich steht mir im Weg.

Komplexe…

Ich schaue in den Spiegel,

will ihn zerschlagen,

was Ich sehe macht mich wütend.

Wer ist das?

Das bin Ich??

Was für ein Scheiß ist das,

der hat doch keine Chance,

wurde oft genug bewiesen!

Ich sehe diesen lieben, netten Typen,

diesen schwulen besten Freund,

für den er wohl gehalten wird,

was ihm aber nichts als Ärger bringt.

 

Ich kann nicht in den Spiegel sehen,

nicht mehr,

Ich werde zu aggressiv davon.

Mein Spiegelbild lügt,

es ist nicht gut so zu sein!

Diese Stärke und Gelassenheit,

die Ich sehe,

reine Lüge, Heuchelei!

So bin Ich nicht, nicht mehr,

Ich werde es beweisen!

Ich reiße mir sinnbildlich die Haut herunter,

verfluche meinen ach so tollen Charakter,

schicke ihn zum Teufel,

sobald Ich kann…

Noch fällt es schwer,

aber der Tag wird kommen.

Bald.

Immer dasselbe…

Ich habe genug.

Genug…

 


Freundschaft und Konsequenz  -  31.8.2014

 

Auf Aktion folgt Reaktion,

das weiß bereits ein Baby.

Wer gibt, der bekommt,

wer nichts gibt, darf nichts erwarten.

Bei manchem kommt es jedoch zu einer Kompensation:

Je weniger er bekommt, desto mehr gibt er.

Das sind jene Menschen mit guter Seele,

die sich für Freunde aufopfern, ihr letztes Hemd hergeben würden,

selbst wenn nichts zurückkommt.

 

Doch bei jedem Menschen macht es eines Tages ‘Klick‘ und der Groschen fällt.

An falscher Stelle zu viel geben, hilft niemandem, es schadet nur.

Vertrauen muss gewonnen, Freundschaft verdient

und Unstimmigkeiten konsequent geregelt werden.

 

Mein Groschen ist gefallen.

 

Freundschaft ist ein Geben und Nehmen.

Wenn das Nehmen endet, weil nichts mehr gegeben wird,

so wird irgendwann auch das Geben eingestellt,

damit ein anderer nicht weiterhin bloß nehmen kann.

 


Ende einer Reise  -  17.8.2014

 

Vor 22 Jahren trat Ich eine Reise an.

Eine Reise, Ich wusste nicht wohin,

irgendwohin, geradeaus nach vorn.

Mein Weg führte mich über viele Steine,

viele Berge, durch viele Seen und Meere,

durch Wüsten und Eislandschaften.

Ich blieb mal stehen, um zu staunen,

mal um Pause zu machen,

mal weil Ich nicht weiterwollte,

aber es ging immer weiter nach vorn.

Ma lalleine, mal in Gesellschaft.

Bis heute so viel gesehen,

so viel erlebt und nie ein Ende in Sicht.

Nun sehe Ich mich um und bleibe stehen.

 

Wund sind meine Füße von den letzten Pfaden,

besonders steinig waren sie und meine Schuhe hatte Ich verloren.

Keine Gesellschaft bei mir,

keine Stütze, mein letzter Gehstock zerbrochen,

niemand bringt Verbandszeug…

Ich setze mich auf den Weg und halte inne, atme durch.

So geht’s nicht weiter.

Ist das das Ende meiner Reise?

 


Farben  -  8.6.2014

 

Weiß ist die Reinheit.

Das endlose Gute in makellosem Licht,

das Unantastbare einer jeden Seele.

 

Gelb ist das Licht.

Helle, wärmende Strahlen, lebensschenkend.

Pure Fröhlichkeit, im Blick erkennbar.

 

Orange ist das Feuer.

Mal lodert es wenig, mal sehr in eines Menschen Herzen.

Wenn es erlischt, kommt der Tod.

Bei manchen tritt dieser bereits im Leben ein.

 

Rot ist die Wut.

Hass und Rachedurst brennen in der Kehle,

fordern Gerechtigkeit für die Vergangenheit.

 

Rosa ist das Liebevolle.

Eine Mischung aus purer Güte und Reinheit mit einem Hauch von Leidenschaft und Gefühlen.

Sachte werden Wolken davon berührt

Und ziehen kleine Schweife über den Himmel.

 

Lila ist die Passion.

Großes Leid, gemischt aus feurig roter Liebe und verdunkelnden, zerstörerischen Wellen, die unaufhaltsam alles niederwalzen, was in den Weg gerät und nicht gerettet werden kann.

 

Blau ist das Leben.

Der Himmel, die Meere, lebensspendendes Wasser.

Ein ewiger Kreislauf, in dem auch das Lebennehmen enthalten ist.

Eine Naturgewalt schlechthin.

 

Türkis ist der Übergang.

Der Horizont, das Ufer,

da wo grünes, fruchtbares Land auf blaues Meer, blauen Himmel trifft.

Lebensübergänge… vom Land an Bord eines Segelschiffes oder Luftschiffes zu gehen, ist ein kleiner Schritt für einen Menschen,

aber ein großer Schritt in die Freiheit.

                                                                                                                                                24.3.2016

Grün ist die Hoffnung.

Grünes, fruchtbares Land, darauf lässt sich bauen, ackern, leben.

Nur ausruhen darf man sich dort nicht, sonst ist alle Hoffnung verloren.

 

Braun ist der Schmutz.

Der Dreck, den man zurücklässt.

Vergangenes, schlechte Erfahrungen, die es zu verdrängen, vergessen, nein besser, wo es zu archivieren und daraus zu lernen gilt.

 

Schwarz ist das Ende.

Umschlingende Dunkelheit, gähnende Leere.

Danach kommt nur das Nichts.

Lasse alle Farben des Lebens gehen und du kannst nichts mehr tun.

 


Zeitreisen  -  7.5.2014

 

Zeitreisen.

Eine Fiktion der Zukunft.

Drücken einiger Knöpfe

Und jede Zeit, jedes Datum besuchen,

egal ob Vergangenheit oder Zukunft.

Eine solche Maschine gibt es nicht.

Schade, oder gut so?

Wollte nicht jeder schon mal

In die Vergangenheit?

Einen Fehler bereinigen?

In die Zukunft?

Sehen, was wohl passieren wird?

Klar, jeder.

Aber aus allem, was Ich getan habe und noch tun werde,

kann Ich lernen und daran wachsen.

Gut, dass es keine Zeitmaschine gibt.

Zeitreisen also nicht möglich?
Nein?

Doch, natürlich.

 

 

 

Zeitreisen II  -  6.8.2014

 

Zeitreisen im physischen Sinne, also seinen Körper in andere Zeiten versetzen, sind nicht möglich.

Und das ist gut so.

Zu viel würden wir anrichten, beim Versuch etwas zu ändern und wer könnte der Versuchung schon widerstehen, wenn er in die Vergangenheit oder Zukunft reisen könnte?

 

Psychische Zeitreisen jedoch sind möglich.

Lesen von alten Mails und Chatverläufen, Schauen von alten Videos, Hören von alten Tonaufnahmen, Ansehen von alten Bildern.

Man erinnert sich, versetzt sich in die damalige Situation, vertieft sich in diese Erinnerungen und erlebt sie im Kopf erneut, während alles um einen herum, das ganze Hier und Jetzt, verschwimmt und vollkommen ausgeblendet wird.

Man durchläuft alte Gefühle, verlorene Liebe, verschwommene Freude und Trauer, alten Hass.

Es fühlt sich an wie damals.

 

Beim Wiedereintritt ins Hier und Jetzt wird das Herz schwer.

Nach kurzem Orientieren kommt der Gedanke:

Wo ist sie hin, die Zeit?

Das ist Zeitreisen.

 

 

 

Zeitreisen III  -  9.5.2016

 

Physische Zeitreisen sind nicht möglich, zumindest bei unserem heutigen technischen Stand bloße Fiktion. Ja, das ist auch gut so.

 

Psychische Zeitreisen jedoch sind möglich und durchaus nützlich.

Zum Verarbeiten von Erlebtem, zum Erinnern an schöne Momente, wenn wir schwere Zeiten durchleben, zum Lernen aus Fehlern für die Zukunft.

Vergangenes können wir nicht ungeschehen machen, doch unsere Zukunft haben wir selbst in der Hand, sie ist ungeschrieben.

Doch Vorsicht!

 

Auch durch Aufenthalt in unveränderbaren Zeiten kann die Zukunft Schaden erleiden.

Wer zu lange an dem verweilt, was sich nicht mehr korrigieren lässt, verliert den Blick nach vorne, verpasst möglicherweise Momente oder sogar großartige Möglichkeiten.

Kurz gesagt: Er verpasst das Leben.

Ja, zurückdenken ist wichtig, aber wir dürfen nicht vergessen, dass wir uns ans Leben erinnern und nicht unsere Erinnerung leben.

Und seien wir ehrlich, wir alle wollen glücklich werden und das schaffen wir nicht indem wir uns dabei zusehen, wie wir einmal glücklich waren.

 

 

„Du bist ein Mann, der von den furchtbarsten Worten heimgesucht wird: Was wäre wenn.“

(The Time Machine)

 


Beständige Vergänglichkeit  -  5.5.2014

 

Was ist Beständigkeit?

Ein Fluss, der unaufhaltsam weiterfließt.

Die Sonne, die auf- und untergeht

Und sich mit dem Mond abwechselt.

Die Uhr, die sich stetig weiterdreht.

Die vier Jahreszeiten, die im Wechsel immer wiederkehren.

Denk weiter drüber nach,

du merkst, so viele wirklich beständige Dinge gibt es nicht.

 

Was ist Vergänglichkeit?

Ein Kaffee, der ausgetrunken wird.

Ein Kugelschreiber, dem die Tinte ausgeht.

Eine Zigarette, die aufgeraucht wird.

Bäume, die nach langem Leben absterben.

Sterne, die nach langem Strahlen verglühen.

Manche sagen, selbst das Tageslicht sei vergänglich, doch nein.

Die Erde dreht sich beständig weiter und wir sehen das beständig helle Licht der Sonne einfach für kurze Zeit nicht.

Zeit ist vergänglich.

Ist sie das wirklich?

Zeit ist eine Erfindung des Menschen und im Grunde nur eine Illusion.

 

Letztendlich nüchtern betrachtet, ist alles vergänglich.

Selbst die Sonne wird eines Tages verglühen und uns damit das Licht nehmen.

Einer Uhr kann der Saft ausgehen.

Ein Fluss kann versiegen.

Wie lebt man mit dem Wissen, dass nichts von Dauer ist?

Mit Akzeptanz vielleicht?

Eine andere Möglichkeit besteht wohl nicht.

 

So muss Ich mich denn damit abfinden und akzeptieren.

Freundschaften vergehen.

Liebe vergeht.

Vertrauen vergeht.

Hoffnung vergeht.

Zuverlässigkeit vergeht.

So wie der Geschmack meines ausgetrunkenen Kaffees,

die Benebelung meiner aufgerauchten Zigarette,

die Tinte meines oft genutzten Kugelschreibers.

Ich muss akzeptieren, dass mit dem Leben auch alles andere vergänglich ist und dann wird Verlorenes nicht mehr so sehr schmerzen.

 


Verdrehter Horizont  -  18.3.2014

 

Es ist helllichter Tag,

der Mond scheint hell,

der Rhein steht still,

und das Ufer tanzt auf und ab.

Die Häuser fließen vorbei,

über dem Wasser steigt Qualm auf.

 

Mit mir bleiben die Häuser stehen,

der Fluss strömt weiter,

Ich setz‘ mich auf eine Leiter

und alles beginnt sich zu drehen.

Hoch in schwindelerregende Höhen

Wirbeln meine Gedanken umher.

 

Eine Welle umspült meine Beine,

warum stehe Ich im Wasser?

Ich mache einen Schritt nach vorn

und der Horizont dreht sich.

Wasser oben, Himmel unten,

das Sonnenlicht ist trüb und verschwommen.

 

Ein Kurzfilm rast vor meinen Augen vorbei.

Ich sehe tiefgezogene Mundwinkel,

tränengeflutete Augen

und geraufte Haare.

Vor Schmerz verzerrte Stimmen

fragen nur eins: Warum?

 

 

Eine Welle spült Flaschenpost ans Ufer,

auf dem Zettel steht: Denk nicht mal dran!

Ich stehe wieder auf

Und lasse Häuser fließen und Wasser innehalten.

Im Rhein spiegeln sich Land und Himmel.

Jetzt verstehe Ich…

 

 

 

Je nach Betrachtungsweise ist der Horizont immer verdreht.

Wenn das Leben kopfsteht, heißt das nicht, dass alles schiefläuft.

Es heißt, dass wir unser Leben widerspiegeln, um es von einer anderen Seite zu betrachten.

 


Dankbarkeit  -  15.12.2013

 

Ich bin dankbar für meine damalige Schüchternheit,

die es mir unmöglich machte, groß mit Menschen zu reden.

 

Ich bin dankbar für meine brave Liebenswürdigkeit, Vernunft und Zurückhaltung als Teenie,

für die Ich gemobbt wurde.

 

Ich bin dankbar allen, die meine damalige Wehrlosigkeit ausnutzten

und jede Gelegenheit ergriffen, mich fertig zu machen.

 

Ich bin dankbar für alle Vorurteile und Gerüchte,

die mir in all der Zeit gegenübergebracht wurden.

 

Ich bin dankbar für meine ehemaligen Freunde,

die mich im Stich ließen, oder es für besser hielten den Kontakt abzubrechen.

 

Ich bin dankbar dafür, vom Leben permanent ungerecht behandelt zu werden

und das Nachsehen haben zu müssen.

 

Ich bin dankbar für jeden Stress um mich herum,

der mich mit meinen eigenen Sorgen noch mehr in den Abgrund reißt.

 

Ich bin dankbar für all den Neid und die Eifersucht,

die Ich nicht verspüren müsste, aber dennoch habe.

 

Ich bin dankbar für meine körperlichen Defizite,

die mir Möglichkeiten verwehren und oft zu körperlichem Unwohlsein führen.

 

Ich bin dankbar für meinen Drachen im Kopf,

der lange versuchte, die Kontrolle über meinen Verstand zu übernehmen.

 

Ich bin dankbar für jede unerfüllte Liebe,

die Ich noch nicht verarbeitet habe.

 

 

Dank alledem lerne Ich nun auch Ehrlichkeit und Direktheit zu nutzen.

Ohne all das hätte Ich vielleicht nie begriffen, worauf es im Leben ankommt,

 

Ich wäre noch immer ziemlich beeinflussbar

und es stünde noch kein „Fickt euch einfach“ auf meiner Stirn.

 

Deshalb…. Danke!

 


Das Ende eines Sommers  -  10.9.2013

 

Der Herbst ist da,

Kälte und Dunkelheit verschlingen mich.

Wind weht, die Blätter fallen mit dem Regen,

die Natur stirbt ab.

 

Die Menschen gehen ins Haus,

schließen die Fenster und zünden Kerzen an.

Kuscheln sich in warme Decken

und wärmende Arme.

 

Durchs Glas der Scheiben schaue Ich ihnen dabei zu,

senke meinen Blick, seufze,

ziehe den Reißverschluss meiner Jacke weiter hoch,

wende mich ab und entferne mich vom Licht.

 

Im Nebel löst sich meine Gestalt auf.

Vor der Dunkelheit flüchtende Menschen nehmen mich nicht wahr,

wollen nur in die Wärme ihrer Liebsten,

in ihre trautsame Zufriedenheit.

 

Nirgends dazugehörig laufe Ich durch die Straßen,

Wind und Regen gehen durch mich hindurch.

Bin nur ein Schatten meiner Selbst,

meine Stimme hat ihr Echo verloren.

 


Mauern  -  29.3.2013

 

Einst stellte Ich einen Zaun um mich herum auf,

der mich vor Schlechtem schützen sollte.

Doch durch die Metallstäbe kam immer noch einiges hindurch,

deshalb baute Ich eine kleine Mauer.

Vor Sturm und Regen geschützt,

saß Ich zufrieden zwischen den niedrigen Mauern.

 

Was zum Teufel ist nun schon wieder?!

Die Mauern! Die Mauern!

Sie werden immer höher und höher,

hören nicht auf zu wachsen,

es wird immer dunkler und dunkler,

und noch dazu ganz kalt.

 

Ich sehe das Ende der Mauern nicht,

sitze allein im Dunkel.

Gefangen in der Kälte,

in meinen eigenen vier Wänden…

 


Fliegen lernen  -  19.3.2013

 

Schon als er noch ganz klein war,

lernte der Vogel fliegen.

Erst niedrig und nicht weit,

oft versagten ihm die Flügel.

Stärker und größer wurde er,

flog immer weiter, immer höher.

 

Stell dir vor, du wärst dieser kleine Vogel

und dein Leben wäre ein ewiges Fliegenlernen.

Erste Erfahrungen auf kurzen, niedrigen Flügen,

ging etwas schief, war das nicht schlimm.

Je größer du wurdest,

desto bedeutender wurden deine Erlebnisse.

Nach jeder negativen Erfahrung

versuchtest du es besser zu machen.

 

Wie beim Vogel ist es in Ordnung hoch zu fliegen,

deine Flügel sind stark und trainiert.

Abstürzen kannst du nicht,

jedenfalls erwartet ein Vogel das nicht.

Überleg mal, wie hoch du gerade fliegst

und wo du noch hinwillst.

 

Denk immer daran:

Je höher du fliegst, desto tiefer kannst du fallen.

Und irgendwann fällt jeder Vogel mal.

Pass du nur auf,

dass du in dem Moment nicht ganz hoch oben bist.

 


Selbstmord  -  18.11.2010

 

Und sie starrt in ein breites Grinsen.

Bösartig blitzende Augen und ein vor Hass verzerrtes Gesicht befinden sich direkt vor ihrem.

Angst hat sie nicht, wieso sollte sie auch.

Der Tod ist es allemal wert ertragen zu werden, wenn alles andere den Bach runtergeht.

 

Die Wanne ist voll. Schön warmes Wasser füllt sie.

Sie schließt die Tür, dreht den Schlüssel, wirft ihre Kleider ab und ihr reiner, unschuldiger Körper gleitet elegant ins Wasser.

Der eingesteckte Fön liegt neben dem Wachbecken im Schrank. Egal, den braucht sie schließlich nicht. Sie will sich nicht umbringen.

Aus einem kleinen CD-Player klingt „My immortal“ von Evanescence.

Die Stimme des Mädchens in der Wanne klingt ruhig, warm und friedlich.

„Ich bringe mich nicht um.“ Sie sagt es voller Überzeugung.

Daraufhin fasst sie zur Ablage, ihre Finger umschließen die Rasierklinge. Sie hält diese weit vor sich, als wolle sie sie jemandem geben, der vor ihr in der Wanne sitzt. „Tu du es, Othirâ.“

Das Mädchen, achtzehn Jahre alt, setzt die Klinge an ihre Pulsader des linken Arms, schneidet sie tief durch und lehnt sich mit erleichtertem Blick zufrieden lächelnd zurück. Blut färbt das Wasser rot.

Während sie befreit und erlöst einschläft, verstummt die Sängerin. Stille.

Dann heftiges Klopfen an der Tür, verzweifelte Schreie, das Wort Abschiedsbrief fällt.

„Wir sind doch so glücklich zusammen!“

Der Geist des Mädchens flüstert… er würde es nicht verstehen…

 

 


Überwindung  -  7.10.2010

 

Es zieht sich eine rote Spur durchs Haus.

Vom Kinderzimmer die Treppe runter, in die Küche und dann ins Badezimmer.

Es liegt ein bitterer Geruch in der Luft.

Aus dem Bad dröhnen schlagende Geräusche, als würde jemand mit dem Kopf gegen die Wand rennen.

Die durchscheinende Gestalt geht zur Tür und öffnet sie.

Vom Türrahmen hängt an einem Faden befestigt eine Rasierklinge herunter.

Die Tür wird wie von selbst aufgerissen und der Geist sieht ein junges Mädchen in der Wanne liegen.

Der Duschkopf lässt Wasser hineinlaufen und schlägt durch den Druck gegen die Innenseite der Wanne.

Das Wasser ist rot vom Blut.

 

Das Mädchen sitzt in seinem Zimmer, eine Klinge in der rechten Hand, ihr linker Ärmel ist hochgekrempelt.

Sie schreckt aus ihrer Vorstellung hoch und sieht sich nachdenklich um.

Am nächsten Tag stand in der Zeitung:

„18-Jähriges Mädchen tot – Schuld vermutlich bei Schulnoten“

 

 

Wann wacht diese Gesellschaft endlich auf und erkennt, dass der Jugend etwas Entscheidendes fehlt?

 

 


Wind ins Grab - Herbst 2009

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Wind weht dich vor sich her, du kannst dich nicht dagegen wehren.

 

 

 

Er treibt dich zum Tor, zur neunten Pforte.

 

 

Diese führt zu ihm, zu deinem Erlöser, deinem Erretter.

 

 

Er stellt dich vor die Wahl:

Verbrannt, ertränkt oder lebendig begraben zu werden.

 

 

 

 

 

 

Wofür entscheidest du dich?

Ich entscheide mich fürs Feuer. Mit der Hölle habe Ich Erfahrung.

Verbrennen ist die einzige Chance noch einmal zu schreien.

Der letzte Schrei zeigt, was wir für ein Mensch waren. Ein Schrei, der es vermag den Menschen bewusst zu machen, dass Ich schon immer geschrien habe, aber nie gehört wurde.

Jetzt ist es zu spät, der Tod ist da. Doch er will nicht mich… er will nur mein Herz…

Das bekommt er auch freiwillig von mir.

Ich will nicht mehr fühlen müssen.

Egal was Ich fühle… es schmerzt…

 

 


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