Othirâ's Welt zwischen Traum und Realität

Ein Maulwurfsleben


Aus dem Alltag abtauchen

Ich, außerhalb der "gewöhnlichen Kreise"

 

Mein Leben in der Szene ist sozusagen die Kehrseite meines Alltags.

Bin Ich mit Freunden unterweg, ob an Szenetreffpunkten, Märkten oder in Clubs, so kann Ich wirklich Ich selbst sein.

Ich muss gewisse Einstellungen und Denkweisen nicht aus Rücksicht zurückhalten, kann über manche Themen reden, über die Ich sonst nicht reden kann und Ich befinde mich, was den Stil und die ungefähre Orientierung angeht, unter Gleichgesinnten.

Ich fühle mich schlicht und einfach wohl.

In der Schule verbietet man mir manche Kleidungsstücke, man verlangt von mir, dass Ich mich einfüge und anpasse. In der Szene wird nur eines verlangt: Dass man sich nicht unnötig verstellt.

 

Als Ich der Szene beitrat, tat Ich das alleine. Nicht, weil mich jemand dazu brachte oder weil sie mir jemand zeigte, sondern weil Ich sie selbst entdeckte und Gefallen an ihr fand.

Ich sagte dann zwar, "Ich gehöre der Schwarzen Szene an", jedoch stimmte das noch nicht ganz. Ich kleidete mich stilmäßig szenetypisch und verfolgte die gewisse Einstellung, hatte aber keinerlei Kontakte zu anderen Leuten der Szene.

Meine Gründe zum Beitritt waren folgende:

Zuerst mal wusste Ich, dass Ich völlig anders bin und dass das nicht nur irgendeine Paranoia war.

Ich entwickelte den Willen, Individualität auszuleben, mich an nichts und niemanden anzupassen und mich stattdessen klar von der "normalen" Gesellschaft abzugrenzen.

Viel bedeutender ist allerdings die Tatsache, dass Ich zu der Zeit von allem so ziemlich die Nase voll hatte.

Ich wollte nicht mehr.

Nur noch ein Zeichen setzen, zeigen, was die Menschen um mich herum aus mir gemacht haben, zeigen, wie Ich mich seit so langer Zeit fühlte und dann einfach von hier verschwinden.

An meinem 17. Geburtstag fing Ich an, das erste Mal in schwarz unterwegs.

 

Die schwarze Farbe der Klamotten demonstriert meine Gefühle und die Farbe meiner Seele.

Die Ketten an meiner Kleidung stellen dar, wie gefesselt und gefangen Ich mich in dieser Gesellschaft fühle.

Nietenarm- /und halsbänder zeigen meine Distanzierung, eine Art der Unantastbarkeit und meine Fähigkeit mich zu wehren.

Metallketten an Hose und Hemd stehen für die seelische Last, die Ich mit mir herumtrage.

Ich weiß nicht, ob das bei allen Szeneanhängern so ist, aber ich für meinen Teil habe viel Symbolik in mein Aussehen gesteckt. Ich will nicht nur aussehen, Ich will aussagen.

 

Da Ich noch niemand anderen kennengelernt hatte, konnte Ich nicht wissen, wie das Leben in der Szene genau aussieht, weshalb Ich es mir nur vorstellen konnte.

Im Nachhinein weiß Ich, dass vieles, was Ich mir vorstellte, reines Wunschdenken war.

Zwar kommen viele in die Szene, weil sie auf der Suche nach Leuten sind, von denen sie akzeptiert und toleriert werden, Freunde finden sich auch, aber so tolerant ist selbst die Szene nicht.

Die Menschen sind dieselben wie überall, nur dass Vorlieben, Interessen, Stil und Lebensart völlig anders sind.

Es ist wahr, dass in der Szene sehr sehr liebenswerte, faszinierende, aufgeschlossene, vertrauenswürdige, ehrliche und tolerante Menschen leben, aber es gibt eben wie überall auch andere.

Am liebsten sind mir diejenigen ehrliche Menschen, die sich genau wie Ich von der Gesellschaft ausgeschlossen und missverstanden fühlen, da ist ein gewisses gemeinsames Gefühl vorhanden, welches man teilen kann.

 

Der erste Szenemensch, den Ich kennenlernte, war Yasmine. Eine ehrliche, ziemlich ruhige und melancholisch angehauchte Person, bei der Ich schon beim ersten Gespräch merkte, wie viel Gefühl sie ausstrahlt. Sie ist unheimlich liebenswert und besitzt eine wahnsinns Ausstrahlung.

Ich bin überzeugt davon, dass sich solch düstere Seelen, solch gefühlvolle Menschen, missverstandene und vertrauenswürdige Menschen nur, oder zumindest hauptsächlich, in der Schwarzen Szene finden lassen.

Das ist der Grund, weshalb Ich in dieser Szene lebe, Ich bin unter meines Gleichen.

 

Meinen Weg in die Szene, unter meines Gleichen, fand Ich erst nach fast einem Jahr Goth-Sein.

Mit einem Kumpel, ebenfalls Schwarzgekleideter aus einem Nachbarort den Ich zufällig über ein Mädchen meines Schuljahrgangs kennenlernte, fuhr Ich erstmals zum Schlachter in Wiesbaden, einem Treffpunkt für Goths, Metaler, Punks und Emos. An jenem Tag lernte Ich auch Mandy kennen, mit der Ich kurze Zeit später Kontakt aufnahm.

Mit den beiden war Ich getrennt voneinander wiederholt am Schlachter, bis Ich mit Mandy im September 2010 mein erstes Dark Awakening im KUZ in Mainz erlebte.

Zu sehen, wie viele Gleichgesinnte es in unserer Umgebung gibt, denen man im Alltag nie begegnet, war eine interessante Erfahrung.

Mit der Zeit folgten weitere Gänge in das nächtliche Szenegetummel, Ich habe seitdem kein Dark Awakening ausgelassen und nach und nach lernte Ich andere Leute kennen.

Mandy, Marian, Nicole, Julia, Alex, Cyrocky, Patrick, Simon, Julian und einige flüchtige bekanntschaften lernte Ich in der Szene kennen, nette Menschen, mit denen Ich gerne Zeit verbringe.

Ohne manche von ihnen würde mir sehr viel fehlen.

 

 

Worin besteht mein Leben in der Szene denn nun?

Aus Menschen, die mir ähnlich sind, bei denen Ich kein Problem habe Ich selbst zu sein, aus gemütlichen Runden in düsteren Kreisen, in Aktionen, die Ich "normalerweise" niemals durchziehen würde, aus Party- und Discobesuchen mit schweißtreibendem Tanzen undvor allem besteht dieses Leben aus einem ganz bestimmten Gefühl.

 

Dem Gefühl von Selbstständigkeit und Unabhängigkeit. Vertrauen und Niveau.

Ich fühle mich frei.

Diese Freiheit werde Ich niemals aufgeben und Ich kann nur jedem raten, seine eigene Freiheit für sich zu entdecken. Es fühlt sich großartig an!

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